Zum Hauptinhalt springen
Ratgeber

Funktionen unserer Nieren und was bei Nierenerkrankungen zu beachten ist

Dr. med. Martina Pechula Thut

Dr. med. Martina Pechula Thut

6. Juli 2023

lesezeit

6 min

Die Nieren übernehmen lebenswichtige Funktionen in unserem Körper und werden auch als «Kläranlage» unseres Körpers bezeichnet. Erfahren Sie auf dieser Seite, welche Aufgaben unsere Nieren erfüllen und was passiert, wenn die Nierenfunktion durch eine Erkrankung eingeschränkt ist.

Wo liegen unsere Nieren?

In der Regel haben wir zwei Nieren, von denen jede etwa 10 bis 12 Zentimeter lang ist und etwa 150 Gramm wiegt. Sie befinden sich links und rechts der Wirbelsäule ungefähr auf der Höhe der 11. und 12. Rippe. Gemeinsam mit den Nebennieren sind unsere Nieren in eine Fettkapsel eingebettet und dadurch gut geschützt.

Was sind die Aufgaben der Nieren?

Die Nieren übernehmen vielfältige Aufgaben im Körper. Insbesondere dienen sie als eine Art «Kläranlage». Das bedeutet, sie sorgen für die Ausscheidung von Giftstoffen und Stoffwechselprodukten über den Urin. Sie regulieren den Flüssigkeitshaushalt und scheiden überschüssige Flüssigkeit aus oder behalten sie zurück. Darüber hinaus sind sie für den Elektrolythaushalt (also «Blutsalze») und die Aufrechterhaltung des Säure-Base-Gleichgewichtes von Bedeutung. Zudem sind die Nieren massgeblich an der Blutdruckregulation und dem Knochenstoffwechsel beteiligt und sie produzieren Erythropoetin, ein Hormon, welches die Bildung von roten Blutkörperchen im Knochenmark anregt. 

Brauchen wir beide Nieren?

Um eine optimale Funktion zu gewährleisten, sind bei Menschen zwei Nieren vorhanden. Wir können jedoch auch sehr gut mit nur einer Niere leben. Es gibt Menschen, die von Geburt an nur eine Niere haben. Andere haben aufgrund von unterschiedlichen Ursachen im Verlauf des Lebens nur noch eine funktionierende Niere. Solange die einzelne Niere zuverlässig arbeitet, kann man ohne Weiteres mit einer Niere leben. Dies zeigt sich zum Beispiel auch bei einer Lebendspende, bei der einer gesunden Person eine Niere entnommen wird. 

Welche Nierenerkrankungen gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Nierenerkrankungen. Diese können akut auftreten oder sich chronisch entwickeln. Eine akute Nierenfunktionseinschränkung kann zum Beispiel bei sogenannten Glomerulonephritiden auftreten. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Erkrankungen, die die Gefässknäuel (Glomerula) der Nieren betreffen. Die Ursache kann eine autoimmune Erkrankung sein. Manchmal treten sie aber auch in Verbindung mit anderweitigen Erkrankungen auf oder die Ursache ist unbekannt. Weiter können auch schwere Infekte wie beispielsweise eine Lungenentzündung, Kreislaufversagen, Harnabflussstörungen oder auch Medikamente zu akuten Nierenfunktionsstörungen führen. 

In der westlichen Welt sind die häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenerkrankung ein langjähriger Diabetes mellitus (d.h. hoher Blutzucker) oder Bluthochdruck. Auch genetische Erkrankungen - wie zum Beispiel Zystennieren - oder eine Tumorerkrankung können zu einer Nierenfunktionsverschlechterung führen. Insgesamt nimmt das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung mit dem Alter zu.

  • Portraitfoto von Dr. med. Martina Pechula Thut

    Dr. med. Martina Pechula Thut, Leitende Ärztin Nephrologie

    Über 10 Prozent der Weltbevölkerung ist von einer Nierenerkrankung betroffen. Die Tendenz ist steigend, da die Risikofaktoren für eine Nierenerkrankung zunehmen. Dies sind insbesondere Diabetes («Zuckerkrankheit»), Übergewicht und Bluthochdruck.

0/0

Sind Nierenerkrankungen seltene Erkrankungen?

Nein, sie sind recht häufig. Über 10 Prozent der Weltbevölkerung ist von einer Nierenerkrankung betroffen. Die Tendenz ist steigend, da die Risikofaktoren für eine Nierenerkrankung zunehmen. Dies sind insbesondere Diabetes («Zuckerkrankheit»), Übergewicht und Bluthochdruck.

Welche Symptome zeigen sich bei Nierenerkrankungen?

Häufig spürt man eine lange Zeit keine Symptome. Es finden sich oft erst Beschwerden, wenn die Nierenfunktion bereits deutlich reduziert ist. Diese können unspezifisch und mannigfaltig sein. Wenn die Entgiftungsfunktion nicht mehr funktioniert, können unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Juckreiz und/oder Muskelschwäche auftreten. Auch eine verminderte Harnausscheidung, Wassereinlagerungen in den Beinen, Bluthochdruck und eine Blutarmut können auffallen.

Wie kann man einer Nierenerkrankung vorbeugen?

Das Vermeiden von Übergewicht ist ein wichtiger Faktor. Aber auch ein gesunder Blutdruck ist unerlässlich. Daher wird empfohlen, auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, genügend Bewegung, Stressabbau und eine Reduktion des Alkohol- und Tabakkonsums.

Wie können Nierenerkrankungen heute behandelt werden?

Je nach Grunderkrankung gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Vielfach kann eine Nierenerkrankung mit Medikamenten behandelt werden. Zudem sind in den letzten Jahren Medikamente entwickelt worden, die sich vorteilhaft auf eine Nierenerkrankung auswirken und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern können. Weitrere Informationen finden Sie unter Nephrologie und Dialysezentrum.

Portraitfoto von Dr. med. Martina Pechula Thut

Dr. med. Martina Pechula Thut

Beitrag teilen

Weitere Beiträge

Alternde Frau mit Gehstock lächelt beim Spazieren mit jüngerer Begleiterin im Herbstpark.

Ratgeber

Übungen und Massnahmen zur Sturzprophylaxe – Wie Sie Stürze im Alltag vorbeugen können

Sei es draussen im Park oder drinnen in den eigenen vier Wänden – die Sturzgefahr, vor allem für ältere Menschen, ist allgegenwärtig und geht nicht selten auch mit einer belastenden Angst vor einem möglichen Unfall einher. Im Spital Zollikerberg unterstützen verschiedene Expertinnen und Experten abteilungsübergreifend unsere Patientinnen und Patienten bei der Sturzprävention mit verschiedenen Ansätzen. Ihr gemeinsames Ziel: die Gefahr eines Sturzes zu mindern und Menschen dabei helfen, wieder sicher und selbstbewusst unterwegs zu sein.

Frau in Weißem T-Shirt hält Hand auf Brust, Schmerz- oder Unwohlsein-Geste.

Ratgeber

Panikattacken verstehen: Was sie auslösen und wie man ihnen begegnet

Panikattacken sind wie plötzliche Stürme in der Seele – sie überfallen unerwartet, entfesseln eine Welle intensiver Angst und hinterlassen oft Verwirrung und Unsicherheit in ihrem Gefolge. Doch was genau versteht man unter einer Panikattacke, wie werden sie diagnostiziert und behandelt, und was können Betroffene tun, um damit umzugehen? Um tiefer in dieses Thema einzutauchen, haben wir uns mit Dr. med. Ruedi Schweizer, Ärztlicher Leiter unseres Zentrums für psychische Gesundheit, unterhalten.

Frau mit rosa Brustkrebs-Bewusstseinsband.

Ratgeber

Kann psychoonkologische Unterstützung die Heilungsaussichten oder die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen verbessern?

In psychoonkologischen Themen werden Sie und Ihre Angehörigen von erfahrenen Fachpsychologinnen und -psychologen für Psychotherapie sowie Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie durch alle Phasen der Erkrankung begleitet. So können wir Entlastung bringen, Mut machen und neue Perspektiven eröffnen. Dr. med. Ruedi Schweizer, unser Experte für Psychoonkologie und Ärztlicher Leiter des Zentrums für psychische Gesundheit, klärt im folgenden Video auf.