Ozempic Face – was steckt hinter dem Trend?
9. Januar 2026
10 min
«Ozempic Face» – ein Begriff, der in den letzten Monaten in sozialen Medien hunderttausendfach geteilt wurde. Fotos von Prominent:innen, Influencer:innen und Privatpersonen führen zu Diskussionen darüber, wie sich das Gesicht nach der Einnahme von Semaglutid-haltigen Medikamenten wie Ozempic verändert. Drei Fachbereiche – Endokrinologie/Diabetologie, Ernährungsberatung sowie Plastische Chirurgie – beleuchten das Phänomen aus unterschiedlichen Perspektiven.
Was bedeutet «Ozempic Face» eigentlich?
Der Begriff beschreibt ein sichtbar eingefallenes oder erschlafftes Gesicht, das einige Menschen nach einer schnellen Gewichtsabnahme beobachten. Dabei handelt es sich nicht um eine spezifische Nebenwirkung des Medikaments selbst, sondern um die natürliche Folge eines rasches Fett- und Strukturverlusts im Körper, der auch im Gesicht sichtbar wird.
Dieses Phänomen ist nicht neu und tritt grundsätzlich bei jeder raschen Gewichtsreduktion auf – unabhängig davon, wodurch sie ausgelöst wird. Trotzdem sorgt der Trend für Aufsehen. Denn Gewichtsveränderungen, vor allem im Gesicht, sind emotional sensibel und eng mit dem eigenen Körperbild verknüpft. Dennoch ist es wichtig zu verstehen, dass «Ozempic Face» keine medizinische Diagnose ist. Dieses Phänomen ist primär eine Folge des rapiden Gewichtsverlusts, unabhängig davon, ob dieser durch Medikamente, Operationen oder Diäten verursacht wird.
Was sagen die Fachbereiche über das Phänomen?
Ärztliche Einordnung aus der Endokrinologie / Diabetologie: Was macht Semaglutid im Körper?
Semaglutid ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten und in der Schweiz zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen. In bestimmten Fällen wird es zudem zur Therapie der Adipositas als Wegovy eingesetzt und im Rahmen eines medizinisch begleiteten Gewichtsmanagements angewendet.
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Semaglutid verlangsamt unter anderem die Magenentleerung und steigert das Sättigungsgefühl, was zu einem markanten Gewichtsverlust führen kann. Wird dieser Prozess nicht begleitet, kann die Gewichtsabnahme zu schnell erfolgen – und damit auch der Fettverlust im Gesicht.
Weshalb medizinische Begleitung wichtig ist:
- Realistische Ziele setzen
- Geschwindigkeit des Gewichtsverlusts steuern
- Nebenwirkungen früh erkennen
- Mangelernährung verhindern
Ernährungsberatung: Wie sieht eine optimale Gewichtsabnahme aus?
Eine gute und ausgewogene Lebensmittelauswahl spielt immer, aber insbesondere bei einer Gewichtsabnahme, eine zentrale Rolle. Eine langsame und angepasste Gewichtsreduktion reduziert die Abnahme an Muskel- und Organmasse sowie von Bindegewebe. Dies betrifft auch die Muskulatur im Gesicht. Daher sind die Qualität und die Quantität der Lebensmittelauswahl zentral für das innere und äussere Wohlbefinden.
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Hilfreiche Informationen
- Proteine helfen, die Muskelmasse zu erhalten, und wirken sich positiv auf Haut und Gewebe aus.
- Unterstützen kann auch die Einnahme von Kollagenpräparaten.
- Ein rapider Gewichtsverlust führt zu einem Volumenverlust im Unterhautfettgewebe, reduziert ausserdem die Elastizität der Haut und lässt Wangen- und Kieferknochen deutlicher hervortreten.
- Eine ausreichende Trinkmenge ist entscheidend, um die Haut hydriert und prall zu halten und Nebenwirkungen wie Austrocknung entgegenzuwirken.
- Eine bunte Lebensmittelauswahl aus Obst, Gemüse, Nüssen, Ölen und Vollkornprodukten bringen Vitamin C, Zink, Eisen, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren sowie Antioxidantien, die einen gesunden Stoffwechsel unterstützen.
- Regelmässige Bewegung und Krafttraining reduzieren den Muskelabbau und tragen zu einem vitalen (gesundem) Erscheinungsbild bei.
Ziel ist eine nachhaltige und begleitete Gewichtsreduktion durch eine Fachperson. Angestrebt wird eine Gewichtsabnahme, die sich positiv auf den Körper und sein Gewebe auswirkt. Wichtige Empfehlungen besprechen Sie bitte mit Ihrer Ernährungsberatung.
Ernährungsbegleitung
Als Schlüssel zu nachhaltigem Gewichtsverlust
Eine fachkundige Ernährungsbegleitung hilft, individuelle Ziele sicher und nachhaltig umzusetzen und den Abnehmprozess für Körper und Haut schonender zu gestalten.
Plastische Chirurgie: Was tun, wenn sich Gesicht oder Körper nach Gewichtsverlust verändern?
Bei ausgeprägtem Gewichtsverlust kann das Gesicht schmaler wirken, die Konturen verändern sich und feine Falten treten deutlicher hervor. Ein deutliches Zeichen ist meist die tiefe Nasolabialfalte, also die Abgrenzung zwischen Wange und Nase und Mund. Diese erscheint deutlich tiefer nach einer erfolgreichen GLP-1-Agonisten Therapie (Ozempic, Wegovy etc). Aus plastisch-chirurgischer Sicht handelt es sich um einen physiologischen Vorgang, dessen Ausprägung individuell unterschiedlich ist und unter anderem von Genetik, Alter, Hautqualität und Tempo der Gewichtsreduktion abhängt. Sollten Patient:innen unter diesen Veränderungen leiden, ist eine diskrete, medizinisch fundierte Beratung sinnvoll.
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Neben Veränderungen im Gesicht kann rascher oder sehr starker Gewichtsverlust auch am Körper zu überschüssiger oder erschlaffter Haut führen – etwa am Bauch, an Oberarmen oder Oberschenkeln. In ausgewählten Fällen kommen körperformende Eingriffe («Body Contouring») infrage. Wir können durch zusätzliche Fettabsaugungen akzentuieren und mit neuen Techniken minimalinvasiv mit Radiofrequenz-Energie und Helium Plasma (Renuvion R) über die kleinen Schnitte der Fettabsaugung straffen. Wenn das nicht zur Straffung reicht, kann man zusätzlich beispielsweise eine Bauchdecken-, Oberarm- oder Oberschenkelstraffung durchführen. Diese Operationen zielen in erster Linie darauf ab, die Funktion zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen.
Prof. Fansa betont, dass vor ästhetischen oder körperformenden Massnahmen zunächst der natürliche Anpassungsprozess nach Gewichtsstabilisierung abgewartet werden sollte. Erst wenn Patient:innen sich trotz dieser Stabilisierung belastet fühlen, erfolgt eine individuelle Beurteilung, ob und welche Optionen sinnvoll sein könnten.
Sorgfältig abgewogen
Der Weg zur Plastischen Chirurgie
Erst wenn Patientinnen und Patienten sich trotz dieser Anpassung unwohl fühlen, erfolgt eine diskrete, medizinisch fundierte Beurteilung, ob und welche Optionen individuell sinnvoll sein könnten.
Ganzheitliche Betrachtung für eine verantwortungsvolle Therapie
Das sogenannte «Ozempic Face» ist kein neues medizinisches Phänomen, sondern Ausdruck der bekannten physiologischen Reaktionen auf einen raschen Gewichtsverlust. Entscheidend ist, dass Therapien mit GLP-1-Rezeptoragonisten korrekt indiziert, fachärztlich begleitet und in ein umfassendes Gesundheitskonzept eingebettet sind.
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