Welche Geräte und Hilfsmittel helfen Früh- und Neugeborenen? Ein verständlicher Überblick für Eltern
Prof. Dr. med. Vera Bernet
6. Juli 2000
5 min
Die Neonatologie befasst sich mit der medizinischen Versorgung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen, die besondere Unterstützung benötigen. In der Klinik für Neonatologie am Spital Zollikerberg werden Frühgeborene ab der 32. Schwangerschaftswoche (SSW) betreut. Dabei kommen zahlreiche spezialisierte Geräte zum Einsatz. Sie helfen, lebenswichtige Funktionen zu stabilisieren, die Entwicklung zu unterstützen und den kleinen Patientinnen und Patienten einen bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen.
Isolette (Inkubator / Brutkasten)
Eine Isolette ist ein spezieller Inkubator für Neugeborene, der vor allem in der Neonatologie für sehr kleine Frühgeborene eingesetzt wird. Er bietet eine geschützte Umgebung, in der Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sauerstoff genau reguliert werden können. Frühgeborene haben oft noch Schwierigkeiten, ihre Körpertemperatur selbst zu halten. Der Inkubator hilft dabei, eine stabile Umgebung von Wärme und Feuchtigkeit zu schaffen.
Typische Funktionen
- konstante Temperaturkontrolle
- regulierbare Luftfeuchtigkeit
- Schutz vor Infektionen und äusseren Reizen wie Lärm
- Zugang für Pflege und Behandlung durch spezielle Öffnungen
Offene Pflegeeinheit
Eine offene Pflegeeinheit wird häufig unmittelbar nach der Geburt verwendet. Im Gegensatz zum Inkubator liegt das Baby nackt unter einer Wärmelampe auf einer beheizten Unterlage, sodass das medizinische Personal schnell und einfach Zugang zum Kind hat – zum Beispiel bei Untersuchungen oder in Notfallsituationen.
Wärmebett / Radiant Warmer
Ein Wärmebett kommt zum Einsatz, wenn nur noch die Wärmezufuhr im Vordergrund steht. Hier liegen die Neugeborenen dann teilweise auch schon in Kleidern, weil sie nicht mehr so stark überwacht werden müssen.
Atemunterstützung (Beatmungsgeräte)
Viele Frühgeborene benötigen Unterstützung beim Atmen, da die eigene Atemarbeit sie aufgrund einer noch unreifen oder kranken Lunge, zu sehr anstrengen würden. Diese Unterstützung erfolgt über Beatmungsmaschinen, die verschiedene Arten der Atemunterstützung bieten können. Die mildeste Atemunterstützung ist die sogenannte CPAP- Beatmung.
CPAP (Continuous Positive Airway Pressure) mit und ohne Sauerstoffgabe
Bei dieser nicht-invasiven Methode erhält das Baby über kleine Nasenstöpsel oder eine Nasenmaske einen sanften, konstanten Luftdruck. Dieser Druck hält die Atemwege und die Lungenbläschen offen und erleichtert so das Atmen. CPAP wird häufig eingesetzt bei:
- Frühgeborenen mit unreifen Lungen
- Atemnotsyndrom
- vorübergehenden Atemproblemen nach der Geburt
Das Baby atmet dabei weiterhin selbstständig, wird jedoch durch den kontinuierlichen Druck unterstützt.
Überwachungsmonitor und Elektroden
In der Neonatologie werden die vitalen Funktionen der Neugeborenen rund um die Uhr überwacht. Dafür ist jedes Baby an einen Patientenmonitor angeschlossen, der wichtige Körperfunktionen kontinuierlich misst.
Dazu gehören
- Herzfrequenz
- Atemfrequenz
- Sauerstoffsättigung im Blut
- teilweise auch Blutdruck oder Kohlendioxidgehalt (CO₂)
Die kleinen Klebeplättchen auf der Haut des Babys sind sogenannte EKG-Elektroden. Über dünne Kabel sind sie mit dem Monitor verbunden und erfassen die elektrischen Signale des Herzens sowie die Atembewegungen. Die gemessenen Daten werden laufend an den Monitor übertragen und dort als Kurven angezeigt. So kann das Behandlungsteam Veränderungen sofort erkennen und rasch reagieren. Wenn ein Wert außerhalb des normalen Bereichs liegt, gibt der Monitor automatisch einen Alarm aus.
Pulsoximeter
Das Pulsoximeter misst die Sauerstoffsättigung des Blutes. Ein Sensor – meist am Fuss oder an der Hand des Babys – sendet Lichtsignale durch die Haut und berechnet daraus die Sauerstoffsättigung im Blut. Diese Messung ist, wie alle Überwachungsmessungen, vollkommen schmerzfrei.
Infusionspumpen und Spritzenpumpen
Viele Medikamente und manchmal auch die Ernährung müssen bei Frühgeborenen direkt ins Blut verabreicht und präzise dosiert werden. Infusionspumpen ermöglichen:
- sehr genaue Medikamentengabe
- kontinuierliche Flüssigkeitszufuhr
- sichere Ernährung über Infusion
Phototherapielampen
Viele Neugeborene entwickeln eine Neugeborenengelbsucht. Wenn der Bilirubinwert einen bestimmten Schwellenwert erreicht, muss die Gelbsucht behandelt werden. Die Neugeborenengelbsucht entsteht durch einen erhöhten Bilirubinwert im Blut. Bilirubin ist ein Abbauprodukt der roten Blutkörperchen. Um eine zu starke Erhöhung des Bilirubinwertes zu verhindern, die das Gehirn schädigen könnte, werden die Kinder mit einer speziellen Lampe behandelt. LED-Phototherapielampen strahlen dabei spezielles blaues Licht mit minimaler Wärmeproduktion aus. Dieses Licht hilft, den Bilirubinwert im Blut zu senken. Die Phototherapie gehört zu den häufigsten Therapien bei Neugeborenen, ist sehr wirksam und schmerzfrei.
Magensonde
Frühgeborene und kranke Neugeborene können oder dürfen manchmal noch nicht selbstständig trinken. Über eine Magensonde erhalten sie, wenn vorhanden, Muttermilch. Ist diese noch nicht oder nur in zu geringer Menge vorhanden, bekommen die Neugeborenen altersentsprechende Formula-Milch. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass das Baby ausreichend Energie und Nährstoffe erhält.
Transportinkubator
Wenn ein Neugeborenes innerhalb des Spitals oder zwischen Kliniken transportiert werden muss, kommt ein Transportinkubator zum Einsatz. Er bietet:
- stabile Temperatur
- Beatmungs- und Monitoringmöglichkeiten
- sicheren Transport auch über längere Strecken
Transkutane CO₂-Messung
Ein kleiner Sensor wird auf die Haut des Babys geklebt – meist am Rücken oder Oberschenkel. Eine transkutane CO₂-Messung bedeutet, dass die Kohlendioxidkonzentration im Blut über einen kleinen Sensor auf der Haut überwacht wird. So können Pflegefachpersonen jederzeit sehen, wie gut ein Baby atmet – ganz ohne wiederholte Blutentnahmen.
Panda-Wärmebett
Das Panda-Wärmebett ist ein spezielles, offenes Wärmebett für Früh- und Neugeborene. Es wird eingesetzt, wenn ein Baby nach der Geburt besondere medizinische Betreuung benötigt. Ein Wärmestrahler von oben hält das Baby auf einer konstanten Körpertemperatur, da Neugeborene – insbesondere Frühgeborene – schnell auskühlen können. Gleichzeitig ermöglicht das offene Bett dem Behandlungsteam, das Baby jederzeit gut zu beobachten, zu untersuchen und bei Bedarf sofort zu versorgen oder wiederzubeleben. Zudem können wichtige Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Atmung und Sauerstoffsättigung überwacht werden. Das Panda-Wärmebett kommt häufig direkt im Gebärsaal zum Einsatz. Bei Bedarf wird das Baby darin sicher auf die Neonatologie transportiert, wo die Überwachung und medizinische Versorgung fortgesetzt werden.
In besten Händen
Wichtige Botschaft für Eltern
Trotz der vielen Geräte stehen immer das Kind und seine Familie im Mittelpunkt. Die Technik unterstützt das medizinische Team dabei, Frühgeborene und kranke Neugeborene sicher zu überwachen und optimal zu versorgen. Haben Sie Fragen zu den vielen Geräten? Dann wenden Sie sich gerne an uns.
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