Stillen: Was in den ersten Tagen wirklich wichtig ist
Vita Tanousi
15. September 2026
4 min
Stillen ist etwas Natürliches und trotzdem nicht immer selbstverständlich. Gerade in den ersten Tagen müssen Mutter und Baby sich kennenlernen und gemeinsam ihren eigenen Rhythmus finden. Wie oft sollte ein Baby gestillt werden? Woran erkennt man, dass es Hunger hat oder genug Muttermilch bekommt? Und was hilft, wenn das Stillen schmerzt? Unsere Stillberaterin gibt Orientierung für einen guten Stillstart und teilt ihre Erfahrungen aus dem Alltag.
Stillen ist ein Lernprozess
Manche Babys finden schnell ihren Weg an die Brust, bei anderen braucht es etwas mehr Zeit. Auch für die Mutter ist das Stillen eine neue Erfahrung. Eine angenehme Stillposition finden, das Baby richtig anlegen und seine Signale erkennen – vieles davon entwickelt sich erst mit der Zeit.
Bereits in den ersten Stunden nach der Geburt werden Mutter und Baby dabei unterstützt, sich kennenzulernen. Enger Hautkontakt fördert die Bindung und kann das erste Anlegen erleichtern. Die erste Muttermilch, das sogenannte Kolostrum, wird bereits während der Schwangerschaft gebildet und steht dem Baby nach der Geburt in kleinen Mengen zur Verfügung.
Gerade zu Beginn gilt deshalb: Es muss nicht alles sofort funktionieren. Stillen ist ein Lernprozess für Mutter und Kind.
Tipps unserer Stillberaterin
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Wie oft sollte ich mein Baby stillen?
Diese Frage beschäftigt viele Eltern in den ersten Tagen. Einen festen Zeitplan braucht es beim Stillen in der Regel nicht. Viel wichtiger ist es, auf die Bedürfnisse und Signale des Babys zu achten.
Dabei ist Weinen meist ein spätes Hungerzeichen. Schon vorher zeigt ein Neugeborenes häufig, dass es trinken möchte: Es wird unruhig, bewegt den Kopf suchend hin und her, öffnet den Mund oder führt die Hände zum Mund.
Auch wenn ein Baby zeitweise sehr häufig trinken möchte, muss das nicht bedeuten, dass die Muttermilch nicht ausreicht. Gerade in den ersten Wochen können Phasen auftreten, in denen Babys in kurzen Abständen immer wieder an die Brust möchten. Dieses sogenannte Clusterfeeding ist ein normales Verhalten und unterstützt unter anderem die Milchbildung.
Bekommt mein Baby genug Muttermilch?
Eine weitere häufige Sorge ist, ob das Baby beim Stillen tatsächlich genug Milch bekommt. Die getrunkene Menge lässt sich an der Brust schliesslich nicht einfach ablesen.
Ob ein Baby ausreichend versorgt ist, lässt sich deshalb nicht allein daran beurteilen, wie lange oder wie häufig es trinkt. Ausscheidungen, Gewichtsentwicklung und der Allgemeinzustand des Kindes geben wichtige Hinweise.
Bei Unsicherheiten lohnt es sich, frühzeitig eine Hebamme, Pflegefachperson oder Stillberaterin einzubeziehen. Gemeinsam lässt sich die Stillsituation beobachten und beurteilen.
Weinen ist meist ein spätes Hungerzeichen. Bereits vorher zeigen Neugeborene ihren Hunger durch Unruhe, Suchbewegungen, einen geöffneten Mund oder Hände am Mund.
Baby richtig anlegen: Kleine Veränderungen können viel bewirken
Eine gute Stillposition und das richtige Anlegen sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass das Baby effektiv trinken kann und das Stillen für die Mutter angenehm ist.
Welche Stillposition am besten passt, ist individuell. Wichtig ist vor allem, dass Mutter und Baby bequem positioniert sind und das Baby die Brust gut erfassen kann. Manchmal können bereits kleine Veränderungen beim Anlegen einen grossen Unterschied machen.
Gerade in den ersten Tagen kann das Stillen ungewohnt sein und die Brustwarzen können empfindlich reagieren. Starke oder anhaltende Schmerzen sollten jedoch nicht einfach hingenommen werden.
Schmerzen beim Stillen: Wann sollte ich Hilfe holen?
Wunde Brustwarzen, ein Milchstau oder eine Brustentzündung können das Stillen erschweren. Werden Schmerzen stärker oder bleiben sie bestehen, entstehen offene Stellen oder fühlt sich die Brust schmerzhaft, verhärtet oder überwärmt an, ist eine fachliche Beurteilung sinnvoll.
Dabei lohnt es sich, nicht erst zu warten, bis die Beschwerden sehr ausgeprägt sind. Eine Stillberaterin kann die individuelle Situation anschauen, mögliche Ursachen erkennen und gemeinsam mit der Mutter nach einer passenden Lösung suchen.
Jede Stillbeziehung ist anders
So individuell wie Mutter und Baby ist auch das Stillen. Während es bei manchen von Anfang an gut funktioniert, braucht es bei anderen mehr Zeit oder Unterstützung. Auch Teilstillen, Abpumpen oder später das Abstillen können Teil der persönlichen Stillgeschichte sein.
Nicht jede Mutter kann oder möchte stillen. Entscheidend ist, eine Ernährungslösung zu finden, mit der das Baby gut versorgt ist und die zur individuellen Situation der Familie passt.
Stillen muss keinem Ideal entsprechen. Viel wichtiger ist, dass Mutter und Baby die Zeit, Unterstützung und Begleitung erhalten, die sie brauchen, um ihren eigenen Weg zu finden.
Individuelle Unterstützung rund ums Stillen
Stillberatung am Spital Zollikerberg
Ob in der Schwangerschaft, nach der Geburt oder später zu Hause: Unsere Stillberaterinnen begleiten Sie individuell bei Fragen und Herausforderungen rund ums Stillen.
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