Zum Hauptinhalt springen
Ratgeber

Erste Hilfe: Wissen Sie, was im Notfall zu tun ist?

30. Januar 2023

lesezeit

15 min

In einer Notsituation kann jede und jeder Hilfe leisten – nur nichts tun ist falsch. Umso wichtiger ist es, korrekte Massnahmen für verschiedene Notfälle zu kennen.

Eine Studie, die vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) und der Helsana in 2020 in Auftrag gegeben wurde, zeigt: Die Bereitschaft der Schweizer Bevölkerung, Erste Hilfe zu leisten, ist gross, aber das Wissen reicht bei jeder zweiten befragten Person nicht aus. Durchschnittlich liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs bereits 15 Jahre zurück. Die meisten Schweizer:innen machen einen solchen Kurs, wenn sie das Autofahren lernen – mit der Zeit lassen die Kenntnisse nach. Doch Notfälle treten plötzlich auf. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie man richtig reagiert. 

Wer Menschen wiederbeleben muss, weil ihr Herz aufgehört hat zu schlagen, muss eine Herzdruckmassage durchführen. Als Rhythmushilfe können Sie einen Musiktitel im Kopf abspielen. Wissen Sie, welcher?

  • Stayin’ Alive von den BeeGees
  • Beat It von Michael Jackson
  • Don't Go Breaking My Heart von Elton John und Kiki Dee

«Stayin’ Alive» hat zwischen 100 und 120 Schläge pro Minute – und damit den perfekten Rhythmus für eine Herzdruckmassage. Wie man das macht? Einfach drücken hilft bereits: senkrecht auf die Mitte des Brustkorbs 6 cm tief mit einer Frequenz von 100 Mal pro Minute. Noch besser: Nach 30 Mal drücken die Nase mit den Fingern zuhalten, 2 Mal Luft in den Mund blasen, bis sich der Brustkorb hebt. Diesen Vorgang (30 Mal drücken, 2 Mal beatmen) abwechselnd fortsetzen, bis die/der Patient:in atmet oder Hilfe eintrifft.

Zu den Inhalten eines Erste-Hilfe-Kurses gehören auch die Blutstillung und die Druckverbände. Was sollte man tun, wenn der Druckverband von Blut durchnässt ist?

  • Den alten Druckverband mit einem frischen Verband ersetzen.
  • Einen zweiten Druckverband darüber anbringen.
  • Gar nichts verändern und abwarten, bis die Rettungsdienste eintreffen.

Der Druckverband soll den Blutverlust eindämmen. Würde der alte Verband entfernt, könnten zwei Probleme entstehen: Schmutz könnte in die Wunde gelangen und bereits verkrustetes Blut könnte wieder weggerissen werden, was den Blutfluss wieder erhöhen würde.

Eine bewusstlose Person liegt am Unfallort. Durch Sehen, Hören und Fühlen muss die Atemkontrolle durchgeführt werden. Wie viel Zeit sollten Sie investieren, um (mit grosser Wahrscheinlichkeit) feststellen zu können, ob die Person atmet?

  • Die Atmung wird längstens 10 Sekunden kontrolliert.
  • Die Atmung wird längstens 15 Sekunden kontrolliert.
  • Die Atmung wird längstens 20 Sekunden kontrolliert.

Die Atmung wird längstens 10 Sekunden kontrolliert. Um diese zu prüfen, werden die Atemwege freigemacht durch Neigen des Kopfes nach hinten bei gleichzeitigem Anheben des Kinns. In dieser Position wird die Atemkontrolle durch Sehen, Hören und Fühlen durchgeführt: Sehen, ob der Brustkorb sich hebt und senkt. Ohr über Mund und Nase des Betroffenen legen und hören, ob Atemgeräusche vorhanden sind. Dabei mit der Wange prüfen, ob Luftstrom des Betroffenen fühlbar ist.

Ein gesunder Mensch verfügt über 4 bis 6 Liter Blut im Körper. Bei einer starken Blutung geht in kürzester Zeit eine grosse Menge davon verloren. Aufgrund des Blutverlustes kann es rasch zu einem sogenannten Schock kommen. Wie viel Prozent ihres Blutes kann eine Person verlieren, bevor sie Gefahr läuft, einen Schock zu erleiden?

  • 10 Prozent
  • 20 Prozent
  • 35 Prozent

Ein Mensch kann den Verlust von ca. 20 Prozent (etwa 1 Liter Blut) noch gut kompensieren und der arterielle Blutdruck bleibt normal. Bei einem Verlust von über 20 Prozent besteht die Gefahr der Entwicklung eines Schocks. In diesem Schockzustand stimmt das Verhältnis von Blutvolumen zu Gefässvolumen nicht mehr, so dass der Körper auf ein Notprogramm umschaltet.

Ein unaufmerksamer Augenblick – und es ist passiert. Ein elektrisches Messer hat einen Finger abgetrennt. Wie lässt sich dieser am besten ins Spital transportieren, damit es dem Arzt oder der Ärztin gelingt, ihn wieder anzusetzen?

  • Ab aufs Eis: Je kälter der abgetrennte Finger transportiert wird, desto besser.
  • Den abgetrennten Finger steril umwickeln, dann in eine Plastiktüte packen und bei Raumtemperatur ins Spital transportieren.
  • Den abgetrennten Finger steril umwickeln, dann in eine Plastiktüte packen und diese dann in kühlem Wasser lagern bis ins Spital.

Das abgetrennte Körperteil wird steril umwickelt. Dann packt man es in eine durchsichtige Plastiktüte. Über diese stülpt man eine zweite. Nur in diese füllt man kühles Wasser, in dem auch einige Eiswürfel schwimmen dürfen. Doch darf auch diese nicht nur Eis enthalten. Das abgetrennte Körperteil sollte beim Transport also gekühlt werden, vor allem bei warmen Temperaturen, doch nicht in zu grosser Kälte. Ansonsten bilden sich in den Zellen Kristalle, die die Zellen platzen lassen. Das Gewebe stirbt ab. Auch direkter Kontakt mit Wasser ist schädlich, da es das Gewebe aufquellen lässt.

In welcher Situation führen Sie die «Stabile Seitenlage» durch?

  • Bei Bewusstlosigkeit und noch ausreichender Atmung
  • Im Falle eines Schocks
  • Bei Bewusstlosigkeit mit fehlender Atmung

Die Betroffenen werden bei Bewusstlosigkeit und Atmung in die «Stabile Seitenlage» gebracht. Das Ziel ist, dass der Mund der Betroffenen zum tiefsten Punkt des Körpers wird, so dass potenziell Erbrochenes und Blut abfliessen kann und nicht in die Atemwege gelangen.

Ein Motorradfahrer ist bei einem Verkehrsunfall gestürzt, liegt am Boden und ist bewusstlos. Er trägt seinen Helm. Was sollten Ersthelfer:innen damit tun?

  • Auf jeden Fall abnehmen
  • Auf jeden Fall anlassen
  • Den Helm nur dann abnehmen, wenn es notwendig erscheint – zum Beispiel, wenn die oder der Verletzte nicht mehr atmet oder sich erbrochen hat

Bei einem bewusstlosen Motorradfahrer ist das Abnehmen des Helmes notwendig, da nur danach eine sachgerechte Lagerung (bei vorhandener Atmung: stabile Seitenlage) durchgeführt werden kann.

Eine Frau wirkt ängstlich, sie ist blass, schnappt nach Luft und muss sich hinsetzen. Auf Nachfrage berichtet sie von starken, in den rechten Arm ausstrahlenden Schmerzen und einem enormen Druckgefühl in der Brust. Die Vermutung: Herzinfarkt. Aber passt das zu den ausstrahlenden Schmerzen?

  • Das passt sehr gut, ein Herzinfarkt strahlt immer in den rechten Arm aus.
  • Nein, ein Herzinfarkt strahlt immer in den linken Arm aus.
  • Ein Herzinfarkt kann sowohl in den rechten als auch in den linken Arm ausstrahlen und weiter in den Oberkiefer, Rücken oder Bauch.

Die Schmerzen eines Herzinfarkts betreffen zwar häufiger den linken Arm, können aber auch in den rechten Arm, beide Arme oder in den Rücken, Hals oder Oberbauch ausstrahlen. Auch die restlichen Beschwerden der Frau passen zu einem Herzinfarkt: Die Betroffenen haben oft Atemnot und ein starkes Enge- oder Druckgefühl in der Brust. Es kann auch zu stechenden, brennenden oder drückenden Schmerzen hinter dem Brustbein oder zu Übelkeit kommen. Wichtig ist, beim Verdacht nicht zu zögern, sondern sofort den Notarzt zu rufen.

Um einen Unfall oder eine Panne zu signalisieren, muss ein Pannendreieck vor der betreffenden Stelle am Strassenrand aufgestellt werden. Aber wo genau?

  • Innerorts 20 m, ausserorts 50 m vor der Unfallstelle
  • Innerorts 50 m, ausserorts 100 m vor der Unfallstelle
  • Innerorts 100 m, ausserorts 150 m vor der Unfallstelle

Bei einer Panne inner- oder ausserorts soll man sofort rechts ranfahren und gleichzeitig den Warnblinker einschalten. Das Pannendreieck muss innerorts 50 Meter hinter dem Fahrzeug und ausserorts bis zu 100 Meter dahinter aufgestellt werden, natürlich so, dass es aus Distanz wahrgenommen werden kann.

Die Schweizer Notrufnummern lauten 144 für den Notarzt, 117 für die Polizei, 118 für die Feuerwehr. Welche Nummer wählen Sie, wenn Sie einen Notfall irgendwo in Europa melden müssen?

  • 112
  • 122
  • 121

Speichern Sie auch diese Notrufnummer auf Ihrem Smartphone.

 

 

Beitrag teilen

Weitere Beiträge

Neugeborenes schläft friedlich eingewickelt in eine weiße Decke.

Ratgeber

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) und Kinderwunsch

Frauen mit PCOS haben oft Schwierigkeiten, schwanger zu werden und der Kinderwunsch wird häufig zu einer herausfordernden Reise. Doch trotz der Hindernisse gibt es Hoffnung und Optionen für Frauen, die sich ihren Traum von einer Schwangerschaft erfüllen möchten. Um mehr Einblick in das Thema PCOS und Kinderwunsch zu erhalten, haben wir uns mit Dr. med. Roland Braneti, Leitender Arzt unseres Kinderwunschzentrums und gynäkologische Endokrinologie in der Frauenklinik, des Spitals Zollikerberg, unterhalten.

Lächelnder Arzt in weißem Kittel vor unscharfem Hintergrund.

Ratgeber

Hinter den Kulissen des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS): Eine der häufigsten, aber wenig bekannten Hormonstörungen bei Frauen

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) oder auch PCO-Syndrom genannt, ist eine häufige hormonelle Störung, die Millionen von Frauen weltweit betrifft. Laut neusten Daten sind etwa 10 bis 13 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter davon betroffen. Von unregelmässigen Perioden bis hin zu Fruchtbarkeitsproblemen kann PCOS eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich bringen. Doch trotz seiner Verbreitung bleibt PCOS oft ein rätselhaftes und missverstandenes Gesundheitsproblem. Um die Fakten von den Mythen zu trennen und ein umfassenderes Verständnis für PCOS zu entwickeln, haben wir uns mit Dr. med. Roland Braneti, Leitender Arzt unseres Kinderwunschzentrums und gynäkologische Endokrinologie in der Frauenklinik, zusammengesetzt.

Alternde Frau mit Gehstock lächelt beim Spazieren mit jüngerer Begleiterin im Herbstpark.

Ratgeber

Übungen und Massnahmen zur Sturzprophylaxe – Wie Sie Stürze im Alltag vorbeugen können

Sei es draussen im Park oder drinnen in den eigenen vier Wänden – die Sturzgefahr, vor allem für ältere Menschen, ist allgegenwärtig und geht nicht selten auch mit einer belastenden Angst vor einem möglichen Unfall einher. Im Spital Zollikerberg unterstützen verschiedene Expertinnen und Experten abteilungsübergreifend unsere Patientinnen und Patienten bei der Sturzprävention mit verschiedenen Ansätzen. Ihr gemeinsames Ziel: die Gefahr eines Sturzes zu mindern und Menschen dabei helfen, wieder sicher und selbstbewusst unterwegs zu sein.