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Ratgeber

Dipl. Radiologiefachpersonen: Bindeglied zwischen Radiolog:innen und Patient:innen

Tanja Schärli

Tanja Schärli

22. Mai 2023

lesezeit

8 min

Sie sind das Bindeglied zwischen Radiolog:innen und Patient:innen: dipl. Radiologiefachpersonen HF. Alles über diesen spannenden Beruf erfahren Sie hier.

Alles begann mit einem Zufall. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen bei einem Experiment unsichtbare Strahlen, die Kleidung und unterschiedliche Gegenstände durchdringen konnten. Er nutzte die Hand seiner Frau, um ein erstes Röntgenbild anzufertigen. Wie faszinierend musste es vor rund 130 Jahren gewesen sein, das Skelett eines lebenden Menschen sichtbar zu machen! Heute gehört das Röntgen neben MRI- oder CT-Scans zu den bekanntesten diagnostischen Verfahren. Genau dort sind dipl. Radiologiefachleute HF zu Hause. Sie sind das Bindeglied zwischen Radiolog:innen und Patient:innen und befassen sich mit diagnostischer Radiologie, Nuklearmedizin und Radioonkologie.

Die 130-jährige Geschichte des Röntgens

Als grössten Unterschied zur Röntgentechnik von vor rund 130 Jahren werden heute deutlich geringere Strahlendosen eingesetzt, um gute Bilder zu erzeugen. Denn tatsächlich ist es so, dass nur eine sehr hohe, regelmässig wiederholte Strahlenbelastung zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Davon zeugen die Ärzte, die Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts regelmässig die Röntgenstrahlen an den eigenen Gliedmassen testeten, worauf sie gesundheitliche Probleme entwickelten. Auf der anderen Seite kann dies auch medizinisch genutzt werden, insbesondere in der Strahlentherapie bei Tumoren.

Der Beruf Dipl. Radiologiefachfrau/-mann HF

«Ich liebe es, mit Patientinnen und Patienten zu arbeiten und gleichzeitig mein technisches Wissen immer up to date zu halten», erzählt Tanja Schärli, dipl. Radiologiefachfrau und Berufsbildnerin im Spital Zollikerberg. Hier gibt sie Einblicke in ihr spannendes Aufgabengebiet und in die Entwicklungsmöglichkeiten für dipl. Radiologiefachleute HF.

«Wir sind die Fotograf:innen des Inneren. Wir kümmern uns um Patient:innen, bereiten sie auf die verschiedenen Aufnahmen vor, platzieren sie richtig, nehmen ihnen Ängste und erklären die Abläufe. Auch legen wir Infusionen, spritzen Kontrastmittel und treffen Vorkehrungen, wenn individuelle Risiken für Patient:innen vorliegen», erklärt Schärli. Doch damit ist es nicht getan. Ein zweiter, ganz wichtiger Aspekt des Berufs ist, die imposanten Computertomografen, Magnetresonanztomografen oder Röntgengeräte perfekt zu kennen und bedienen zu können. Immer wieder müssen feinste Einstellungen vorgenommen werden, um aussagekräftige Bilder zu erzeugen. Da die Technik von gestern morgen bereits veraltet ist, gilt es, sein Wissen stets aktuell zu halten. Das Spital Zollikerberg unterstützt hierbei grosszügig bei internen und externen Weiterbildungen.

Zulassungsvoraussetzungen und Ausbildung

Wenn Ihr Interesse an diesem Beruf geweckt werden konnte, fragen Sie sich vielleicht, ob Sie die Voraussetzungen für die Ausbildung erfüllen. Gemessen an der Vielseitigkeit und der Verantwortung dieses Berufs, sind die Zulassungsvoraussetzungen für Interessierte relativ tief:

  • Mindestalter: 17 Jahre
  • 3-jährige Berufslehre mit eidg. Fähigkeitszeugnis (auch nicht medizinischer Natur), alternativ eine Matura oder der Abschluss einer Diplommittelschule

Nach bestandenem Eignungsverfahren muss zudem nachgewiesen werden, dass bereits ein Praktikumsplatz gefunden ist.

Wenn Sie die obigen Voraussetzungen erfüllen, können Sie sich beispielsweise bei unserem Bildungspartner Careum Bildungszentrum für das Zulassungsverfahren anmelden. Die Ausbildung dauert drei Jahre, wobei sich Schul- und Praktikumsblöcke abwechseln. Ein Drittel der Ausbildung wird der Thematik Diagnostik gewidmet, mit denselben Anteilen tauchen Studierende in die Bereiche Nuklearmedizin und Radioonkologie ein.

Die «durchschnittlichen» Studierenden

Von 2017 bis 2022 konnten rund 18 Prozent der Absolvent:innen bei Careum auf eine Erstausbildung als Fachfrau/-mann Gesundheit zurückblicken. 17 Prozent wiesen einen Hintergrund im Bereich Dentalhygiene auf. Eine Matur hatten rund 13 Prozent absolviert. 4 Prozent der Studierenden kamen aus dem Detailhandel und 3 Prozent waren kaufmännische Angestellte.

Die meisten Studierenden sind zwischen 20 und 30 Jahre alt mit Ausreissern nach oben. Das Geschlechterverhältnis beläuft sich auf rund 80 Prozent Frauen und 20 Prozent Männer.

Einsatzorte und Entwicklungsmöglichkeiten

Dipl. Radiologiefachleute HF sind gesucht – in Spitälern, in Instituten und in der Forschung. Den eigenen Vorlieben und Interessen entsprechend, kann der Arbeitsort gewählt werden. Im Spital Zollikerberg steht die bildgebende Diagnostik im Vordergrund. Ärzt:innen aus den verschiedenen Bereichen sind auf aussagekräftige Bilder angewiesen. Es werden Patienten vom Notfall, von der Tagesklinik, der Chirurgie, der Inneren Medizin, der Intensivstation und von weiteren Bereichen betreut.

Bei der Anstellung in einem Institut liegt der Fokus meist auf der Diagnostik und in seltenen, ausgewählten Institutionen, zum Beispiel am Paul Scherrer Institut in Villigen, auf der Forschung, beispielsweise der Krebsbehandlung. Beim Applikationsspezialisten fällt der Patientenkontakt weg, dafür eröffnen sich neue Möglichkeiten der persönlichen Weiterentwicklung. So können Anwender:innen geschult, Verbesserungen der Applikation entwickelt und Störungen gelöst werden.

Entwicklungsmöglichkeiten im Spital Zollikerberg

Dipl. Radiologiefachleute HF haben verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten. Neben den zuvor genannten Richtungen und Vertiefungen sind im Spital Zollikerberg Karrieren in Richtung einer Teamleitung oder zum Berufsbildenden (Berufsbildner/-in) möglich. «Ich bin selbst ein gutes Beispiel dafür, wie man sich in der Radiologie des Spitals Zollikerberg weiterentwickeln kann. Bereits vor einigen Jahren war ich hier tätig. Nach einer externen Station bin ich wieder zurück und unterstütze mittlerweile als Berufsbildnerin angehende Berufskolleginnen und -kollegen», sagt Schärli, lächelt und macht sich auf den Weg zur nächsten Patientin.

  • Blutentnahme aus der Armvene für medizinische Tests.
  • Patient in einem MRT-Scanner mit verschränkten Händen.

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Portraitfoto von Tanja Schärli

Tanja Schärli

Radiologiefachrau, Berufsbildnerin, Radiologie / Nuklearmedizin

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