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Brustkrebs: «Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen»

Nadja Spörri

Nadja Spörri

1. Oktober 2026

lesezeit

10 min

Die Diagnose Brustkrebs wirft oft viele Fragen auf – medizinische, persönliche und ganz alltägliche. Breast Care Nurse Frau Spörri begleitet Patient:innen am Brustzentrum Zollikerberg von der Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge. Im Interview erzählt sie, was Betroffene besonders beschäftigt, wie sie und ihre Angehörigen unterstützt werden und warum eine vertraute Ansprechperson während der Behandlung so wertvoll sein kann.

Was genau ist eine Breast Care Nurse und welche Rolle übernehmen Sie während der Diagnose, Behandlung und Nachsorge?

Eine Breast Care Nurse ist eine spezialisierte Pflegefachperson für Menschen mit Brustkrebs und anderen Brusterkrankungen. Wir begleiten Patient:innen von der Diagnosestellung über die verschiedenen Behandlungsschritte bis in die Nachsorge.

Ich sehe meine Rolle als Bindeglied zwischen den Patient:innen und den verschiedenen Fachpersonen im Brustzentrum. Während die Ärztinnen und Ärzte für die medizinische Behandlung verantwortlich sind, liegt mein Fokus vor allem auf der individuellen Beratung, Unterstützung und Begleitung während des gesamten Behandlungswegs.

Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Ich bin beispielsweise beim Diagnosegespräch dabei, erkläre alles Wichtige rund um eine bevorstehende Operation, berate bei Nebenwirkungen oder Veränderungen des Körperbildes und unterstütze bei ganz praktischen Fragen im Alltag. Bei Bedarf vermittle ich auch weitere Unterstützungsangebote wie Psychoonkologie, Physiotherapie, Sozialberatung oder Selbsthilfegruppen.

Auch zwischen den Terminen bin ich für die Patient:innen erreichbar. Täglich erhalte ich Anrufe oder E-Mails mit Fragen, die im Verlauf der Behandlung auftauchen. Oft sind es Dinge, die einem erst zu Hause durch den Kopf gehen oder bei denen plötzlich Unsicherheit entsteht.

Besonders wichtig ist mir dabei die Kontinuität. Während einer Brustkrebsbehandlung sind viele verschiedene Fachpersonen beteiligt. Die Breast Care Nurse bleibt möglichst über den gesamten Weg hinweg eine vertraute Ansprechperson, an die sich die Patient:innen mit ihren Fragen und Anliegen wenden können.

Frau Spörri, die Diagnose Brustkrebs verändert für viele Betroffene von einem Moment auf den anderen vieles. Was beschäftigt Patientinnen in dieser ersten Zeit besonders – und wie können Sie als Breast Care Nurse unterstützen?

Die Diagnose Brustkrebs kommt oft völlig unerwartet und kann das Leben von einem Moment auf den anderen auf den Kopf stellen. Gerade am Anfang sind häufig sehr viele Gedanken und Ängste gleichzeitig da: Wie geht es jetzt weiter? Was bedeutet die Diagnose für mich und meine Familie? Wie sieht die Behandlung aus? Kann ich weiterarbeiten? Sehe ich meine Kinder gross werden?

Gleichzeitig erhalten die Patient:innen innerhalb kurzer Zeit sehr viele Informationen. In dieser emotionalen Situation ist es ganz normal, dass nicht alles aufgenommen oder eingeordnet werden kann.

Als Breast Care Nurse bin ich deshalb vor allem eine konstante Ansprechperson. Ich nehme mir Zeit, höre zu und schaue gemeinsam mit der Patientin, was sie in diesem Moment braucht. Ich erkläre Informationen nochmals in Ruhe, helfe bei der Orientierung und begleite sie durch die nächsten Schritte.

Neben medizinischen Fragen entstehen häufig Ängste und Unsicherheiten. Welche Themen begegnen Ihnen in den Gesprächen besonders oft?

Das Spektrum ist sehr gross und verändert sich im Verlauf der Behandlung. Direkt nach der Diagnose stehen häufig Ängste und die Unsicherheit darüber im Vordergrund, was nun auf die Betroffenen zukommt.

Später werden die Fragen oft konkreter: Wie werde ich die Therapie vertragen? Verliere ich meine Haare? Wie verändert sich meine Brust? Kann ich weiterhin arbeiten oder Sport treiben? Was darf ich nach der Operation? Auch Themen wie Sexualität, Partnerschaft, Kinderwunsch oder der Umgang mit den eigenen Kindern können eine wichtige Rolle spielen.

Nach Abschluss der Behandlung rücken wiederum andere Themen und Herausforderungen in den Vordergrund. Viele Frauen erzählen beispielsweise von der Angst, dass die Erkrankung zurückkommen könnte. Von aussen beginnt vielleicht wieder der normale Alltag, innerlich braucht dieser Übergang aber häufig deutlich mehr Zeit.

Auch in dieser Phase ist es wichtig, mit den eigenen Gedanken und Unsicherheiten nicht allein zu bleiben und weiterhin das Gespräch zu suchen – sei es im persönlichen Umfeld, mit den behandelnden Ärzt:innen, der Breast Care Nurse, anderen Betroffenen oder der Psychoonkologie. Der Austausch kann dabei helfen, Erlebtes zu verarbeiten, Sicherheit zurückzugewinnen und Schritt für Schritt wieder im Alltag anzukommen.

Brustkrebs betrifft nicht nur die Patientin selbst, sondern häufig auch Partnerschaft und Familie. Wie können Angehörige unterstützen – und wo benötigen auch sie Orientierung?

Eine Brustkrebsdiagnose betrifft häufig die ganze Familie. Partner:innen und andere Angehörige möchten unterstützen, fühlen sich aber manchmal selbst hilflos und wissen nicht, was sie sagen oder tun sollen.

Dabei muss Unterstützung gar nicht immer etwas Grosses sein. Zuhören, da sein, zu einem Gespräch mitkommen, im Alltag entlasten oder einfach gemeinsam etwas ganz Normales unternehmen, kann bereits sehr wertvoll sein.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass Angehörige auch auf ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen achten.

Sind die Kinder noch kleiner, stellen sich beispielsweise Fragen wie: Was erzählen wir ihnen? Wie viel können oder sollen sie wissen? Wie gehen wir als Familie gemeinsam mit der Situation um? Auch solche Themen dürfen und sollen Platz haben – sei es in unseren Gesprächen oder im Austausch mit der Psychoonkologie.

Wenn es gewünscht ist, beziehen wir Angehörige deshalb sehr gerne in die Beratung mit ein.

Viele Patient:innen möchten während der Behandlung möglichst viel Normalität bewahren. Was kann ihnen helfen, mit den körperlichen und emotionalen Belastungen im Alltag umzugehen?

Alles, was einem guttut und ein Stück Alltag und Freude zurückgibt, soll seinen Platz behalten.

Das kann Bewegung sein, ein Spaziergang, Zeit mit Freunden und Familie, Arbeiten, Sport oder auch einfach eine gewohnte Morgenroutine. Gleichzeitig darf es Tage geben, an denen weniger möglich ist. Gerade während einer Therapie können Leistungsfähigkeit und Energie stark schwanken.

Ich ermutige deshalb dazu, auf den eigenen Körper zu hören und nicht den Anspruch zu haben, den Alltag genauso bewältigen zu müssen wie vor der Diagnose. Hilfe anzunehmen ist dabei genauso wichtig wie aktiv zu bleiben.

Und manchmal geht es auch darum, sich ganz bewusst Dinge vorzunehmen, die nichts mit der Erkrankung zu tun haben und einfach Freude bereiten. Denn auch wenn Brustkrebs für eine gewisse Zeit viel Raum einnimmt, bleiben all die anderen Dinge, die einen Menschen und sein Leben ausmachen, genauso wichtig.

Der Brustkrebsmonat Oktober schafft jedes Jahr besondere Aufmerksamkeit für die Erkrankung. Welche Botschaft möchten Sie Frauen – unabhängig davon, ob sie selbst betroffen sind – mit auf den Weg geben?

Der Brustkrebsmonat Oktober ist eine wichtige Gelegenheit, Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen. Gleichzeitig empfehle ich, nicht nur im Oktober auf die eigene Brustgesundheit zu achten.

Es ist wichtig, den eigenen Körper und die Brust zu kennen und Veränderungen ernst zu nehmen. Wenn sich etwas anders anfühlt oder eine Veränderung auffällt, sollte diese ärztlich abgeklärt werden.

Und für Frauen und Männer, die gerade mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert sind, ist mir eine zweite Botschaft besonders wichtig: Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Die Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs haben sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote, die Betroffene während der Diagnose, Behandlung und Nachsorge begleiten können.

Individuelle Begleitung bei Brustkrebs

Brustzentrum Zollikerberg

Im Brustzentrum Zollikerberg begleiten wir Sie von der Abklärung und Diagnose über die individuelle Behandlung bis zur Nachsorge. Dabei verbinden wir medizinische Kompetenz mit persönlicher Betreuung und einer engen Begleitung während des gesamten Behandlungswegs.

Es tut mir leid, ich kann nicht sagen, wer auf dem Bild ist.

Nadja Spörri

Breast Care Nurse, Frauenklinik

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