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Ratgeber

Behandlungsmethoden bei Brustkrebs

Prof. Dr. med. Hisham Fansa

Prof. Dr. med. Hisham Fansa

26. Oktober 2023

lesezeit

10 min

Welche Arten von Brustkrebs gibt es und wie können diese behandelt werden? Prof. Dr. med. Hisham Fansa, Leiter des BrustCentrums Zürich am Standort Spital Zollikerberg, gibt im Interview tiefe Einblicke.

Prof. Fansa, könnten Sie uns einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsmethoden für Brustkrebs geben, die in Ihrem Brustzentrum angeboten werden?

Die Behandlung von Brustkrebs ruht auf mehreren Säulen: Die operative Therapie des Krebses, die medikamentöse Therapie und die Strahlentherapie. Ergänzend bieten wir auf Wunsch auch eine komplementäre Therapie an, die beispielsweise auftretende Symptome bei der Chemotherapie oder Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie lindern kann.

Eine wichtige Behandlung ist die operative Therapie. Hierbei kann in den meisten Fällen eine sogenannte brusterhaltende Therapie angeboten werden. Bei den Patientinnen wird dann nur der betroffene Teil der Brust, in dem der Tumor lokalisiert ist, entfernt. Meistens müssen wir auch nach dem Wächterlymphknoten schauen. Das ist in der Regel derjenige Lymphknoten, der, falls der Tumor streuen würde, am ehesten befallen ist. Bei Patientinnen, die einen grossen Tumor haben oder bei denen mehrere Stellen in der Brust befallen sind und die deswegen nicht brusterhaltend operiert werden können, bieten wir ihnen an, dass wir in derselben Operation, in der wir die Brust entfernen, auch eine Wiederherstellung durchführen können. Die Wiederherstellung kann entweder mit Eigengewebe, also vom Körper der Patientin, oder mit Fremdgewebe, also Silikonimplantaten, erfolgen.

Neben der operativen Therapie haben wir auch medikamentöse Therapien, die zur Behandlung des Brustkrebses notwendig sind. Eine davon ist die Antihormontherapie. Hierbei macht man sich die Tatsache zu Nutze, dass die meisten Brustkrebsarten empfänglich sind für die weiblichen Hormone. Eine Blockade dieser Hormone im Körper der Patientin durch bestimmte Medikamente (in der Regel Tabletten) führt dazu, dass wir deutlich weniger Wiederauftreten von Brustkrebs im Laufe der Jahre erfahren. Die andere Therapie, die manchmal notwendig ist, gerade bei etwas aggressiveren Brusttumoren, ist die Chemo- und Immuntherapie. Hier wird ein speziell für die Patientin ausgewähltes Therapieschema verabreicht. Dies erfolgt in der Regel ambulant bei den medizinischen Onkologen, mit denen wir im Brustzentrum zusammenarbeiten.

Die letzte Säule in der Behandlung des Brustkrebses ist die Strahlentherapie. Hierbei kann durch die Bestrahlung der Brust und der Lymphwege das Risiko minimiert werden, dass ein Tumor wieder auftritt. Diese Strahlentherapie wird gemeinsam im Tumorboard besprochen und dann mit unseren Kooperationskolleg:innen in der Klinik Hirslanden durchgeführt.

Ergänzend bieten wir in unserem Brustzentrum die komplementäre Therapie an. Das ist eine Therapie, die vorwiegend pflanzliche Mittel nutzt, um die Nebenwirkungen der Standardtherapien zu lindern und auftretende Symptome zu verbessern. Wichtig ist uns, dass wir diese Therapie nicht als Ersatz für die standardisierte, schulmedizinische Behandlung sehen, sondern als Ergänzung und Unterstützung für das gesamte Wohlbefinden und die Lebensqualität der Patientinnen.

Ernährungstherapien und spezialisierte physiotherapeutische Behandlungen ergänzen das Spektrum unserer Möglichkeiten für unsere Patient:innen. Ausserdem bieten wir eine spezialisierte Pflege durch unsere Breast Care Nurses und ermöglichen den Zugang zu unseren Psychoonkolog:innen, um die Patientinnen emotional und psychisch aufzufangen und zu unterstützen.

Welche unterschiedlichen Arten von Brustkrebs gibt es und wie beeinflusst dies die Auswahl der Behandlungsmethoden?

Es gibt relativ viele unterschiedliche Brustkrebsarten. Es ist daher wichtig, dass bei der Diagnosestellung immer genau geschaut wird, um welchen Brustkrebs es sich handelt. Die Therapie richtet sich nach den biologischen Kriterien eines Brustkrebses. Vereinfacht kann man sagen, dass Brustkrebs, der nicht sehr aggressiv wächst und empfänglich ist für die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron, in der Regel keine Chemotherapie benötigt, sondern eher mit einer brusterhaltenden Operation, Strahlentherapie und einer antihormonellen Behandlung therapiert wird. Bei aggressiveren, schnell wachsenden Tumoren, die nicht so stark auf die Hormone ansprechen, wird zusätzlich mit Chemotherapie behandelt. Eine Sonderform sind Tumore, die auf einen weiteren Rezeptor (Her2-neu) ansprechen. Diese Patientinnen erhalten zusätzlich eine spezielle Antikörpertherapie, mit der wir meist schon vor der Operation den Tumor und mögliche Absiedlungen gut verkleinern können.

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Oft werden die Begriffe Vorsorge und Früherkennung synonym verwendet und darunter das Gleiche verstanden. Sie haben jedoch unterschiedliche Bedeutungen und es macht Sinn, sie zu unterscheiden.

Welche Rolle spielen Operationen bei der Behandlung von Brustkrebs?

Nach wie vor ist die Operation eine der wichtigsten Therapieformen bei Brustkrebs, wenn keine weiteren Absiedelungen im Körper vorhanden sind. Die meisten Operationen sind brusterhaltende Therapien, bei denen wir nur den Tumor aus der Brust entfernen und die restliche Brust so neu formen, dass Volumen und Form möglichst erhalten bleiben.

Ist eine brusterhaltende Operation nicht möglich, kann die Brust in derselben Operation entfernt und wiederhergestellt werden. Die Wiederherstellung der Brust ist möglich mit Silikonimplantaten. Diese haben den Vorteil, dass sie relativ einfach platziert werden können, allerdings sind sie nicht geeignet, wenn zusätzlich eine Bestrahlung erfolgen soll. Auch müssen Silikonimplantate oft nach fünf bis zehn Jahren ausgetauscht werden. Die Alternative ist die Wiederherstellung mit Eigengewebe. Hierbei wird Gewebe am Körper, wo es möglicherweise überflüssig ist, beispielsweise am Bauch oder Oberschenkel, entnommen und dann daraus die neue Brust geformt. Der Vorteil ist, dass das Gewebe in über 98% der Fälle dauerhaft heilt und dann kein Austausch mehr notwendig ist. Der Nachteil ist, dass dafür eine Narbe am Körper gesetzt werden muss. In den meisten Fällen können wir auch die Brustwarze erhalten. Falls dies nicht möglich sein sollte, kann die Brustwarze später rekonstruiert werden. Allerdings erfolgt dieser Eingriff erst als letzter Schritt nach Abschluss aller anderen Therapien.

Haben sich in den letzten Jahren Fortschritte und Innovationen ergeben, die die Heilungschancen und Lebensqualität der Patientinnen verbessern?

In den letzten Jahren sind wir operativ immer besser geworden. Wir können inzwischen den Patientinnen gute operative Therapien ermöglichen, ohne dass wir die Ästhetik der Brust langfristig beeinträchtigen. Wichtig ist, dass wir onkologisch keine Kompromisse eingehen und ästhetisch das beste Ergebnis erzielen, damit sich die Lebensqualität der Patientinnen nicht dauerhaft verschlechtert.

Darüber hinaus hat sich die medikamentöse Behandlung verbessert. Mit neuen Medikamenten konnten wir die Behandlung der aggressiven Brustkrebsarten deutlich verbessern. Gleichzeitig haben wir auch die sogenannte Übertherapie, also das Verabreichen einer Therapie, die onkologisch vielleicht nicht nützlich ist, reduziert. Dies tun wir, indem wir für viele Patientinnen heute besondere Tests anbieten, mit denen herausgefunden werden kann, ob für die Patientin ein Nutzen aus einer Chemotherapie besteht oder nicht. Damit ersparen wir vielen Patientinnen, denen wir früher sicherlich eine Chemotherapie verordnet hätten, heute eine solche Behandlung.

Abschliessend, Prof. Dr. Fansa, gibt es Botschaften, die Sie an Brustkrebspatientinnen und ihre Angehörigen richten möchten?

Nach wie vor ist Brustkrebs eine für die Patientinnen erschütternde Diagnose und tritt in den Industrieländern sehr häufig auf. In der Regel ist man erschrocken, wenn man diese Diagnose erhält. Wir müssen aber feststellen, dass Brustkrebs von allen Krebsarten, die wir kennen, derjenige ist, den wir am besten behandeln können. Die meisten Patientinnen werden geheilt, und wir haben sehr, sehr gute Überlebensraten mit guter Lebensqualität.

Darüber hinaus haben wir mit den neuen Medikamenten auch für viele Patientinnen, die bereits Absiedelungen im Körper haben, die Möglichkeit, ein langjähriges Überleben zu erzielen und den Krebs in so etwas wie eine chronische Krankheit umzuwandeln und damit der Patientin eine gute Lebensqualität zu sichern.

Entdecken Sie das

BrustCentrum Zürich am Spital Zollikerberg

Rund jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Zum Glück sind die meisten Veränderungen der Brust gutartig. Im Fall der Fälle sind Sie als Patientin bei uns gut aufgehoben.

Portraitfoto von Prof. Dr. med. Hisham Fansa

Prof. Dr. med. Hisham Fansa

Chefarzt, Plastische Chirurgie, Stellvertretender Klinischer Direktor BrustCentrum Zürich, Bethanien & Zollikerberg

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