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Backstage

Hinter den Kulissen der Onkologie

30. Oktober 2023

lesezeit

9 min

Martina Landolt, Gruppenleiterin Onkologie im Spital Zollikerberg, gewährt uns einzigartige Einblicke in ihren Arbeitsalltag und erzählt von ihrer Motivation, in einem so anspruchsvollen Bereich wie der Onkologie zu arbeiten.

Kannst du uns etwas über deine Ausbildung und beruflichen Hintergrund erzählen?

Nach einem Jahr Praktikum in einem Altersheim absolvierte ich die dreijährige Berufslehre zur Fachfrau Gesundheit. Anschliessend habe ich die zweijährige Höhere Fachschule (HF) zur diplomierten Pflegefachfrau abgeschlossen. Nach insgesamt zwei Jahren Berufserfahrung im Akutspital als diplomierte Pflegefachfrau entschied ich mich, mich für eine Spezialisierung auf demFachgebiet der Onkologie und absolvierte ein zweijähriges Nachdiplomstudium zur Fachexpertin Onkologie. Nun arbeite ich seit insgesamt 4 ½ Jahren im Fachbereich Onkologie.

Was hat dich dazu motiviert, in der Onkologie zu arbeiten?

Wie viele andere Menschen auch, habe ich jemanden in meinem Umfeld, der an Krebs erkrankt ist. Diese Krise sowohl bei der betroffenen Person als auch bei den Angehörigen zu erleben, hat mich stark motiviert, mir spezifisches Fachwissen anzueignen, um Betroffene und Angehörige in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen und zu begleiten.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus?

Mein Arbeitstag beginnt in der Regel um 07.00 Uhr, dann werden Vorbereitungen für den Tag getroffen, dazu gehören:

  • Infusionen richten
  • Vormedikationen der Therapien bereitstellen
  • Qualitätskontrolle der Laborgeräte vornehmen
  • Beantworten von Mails und die ersten Telefonate entgegennehmen

Anschliessend werden die Patient:innen unter dem Personal, das vor Ort ist, aufgeteilt.

Wir versuchen normalerweise gegen 08.00 Uhr eine gemeinsame Frühstückspause zu planen, da uns im Anschluss durch die laufenden Therapien meist keine Zeit mehr dafür bleibt. Zwischen 08.45 und 11.30 Uhr kommen kontinuierlich Patient:innen zu uns für medikamentöse Tumortherapien, Blutkontrollen, Transfusionen, Knochenmarkpunktionen oder Sprechstunden. Dabei führen wir verschiedene medizinaltechnische Tätigkeiten durch: Infusionen legen, Port anstechen, Therapien verabreichen oder Blutentnahmen. Neben diesen Tätigkeiten führen wir auch pflegerische Erstgespräche durch, bei denen wir den Patient:innen und deren Angehörigen mögliche Nebenwirkungen der Therapie und pflegerische Massnahmen aufzeigen. In diesem Gespräch möchten wir aber auch die Patient:innen und deren Familie kennenlernen und den Bedarf an Unterstützung ermitteln oder auch einfach nur erklären, wo z.B. eine Perücke organisiert werden kann. Ebenfalls bespricht man gemeinsam, ob ein Einbezug der Ernährungsberatung oder der Psychoonkologie sinnvoll ist. Solche intensiven Gespräche machen die Arbeit auf der Onkologie sehr spannend!

Da die Therapien unterschiedlich lange dauern können, haben wir keine festen Pausenzeiten, wir versuchen, zwischen 12.00 und 13.00 Uhr eine Mittagspause einzulegen.

Ab 13.00 Uhr kommen dann wieder neue Patient:innen. Sobald alle Patient:innen die Station verlassen haben, kümmern wir uns um das Aufräumen, Reinigen und Auffüllen der benötigten Materialien.

Wie läuft eine Chemotherapie ab?

Grundsätzlich mag ich das Wort «Chemotherapie» nicht sehr gerne, da es in der Gesellschaft oft negativ konnotiert ist. Zudem wenden wir hier auf der Onkologie heutzutage nicht «nur» die klassische Chemotherapie an, sondern auch viele neue zielgerichtete Therapien. Daher nenne ich es lieber «medikamentöse Tumortherapie».

Medikamentöse Tumortherapien können intravenös, also direkt in die Vene, subkutan als Spritze ins Fettgewebe oder oral als Tablette verabreicht werden. Daher ist nicht jede Therapie gleich. Die Tablettentherapien können zu Hause selbständig eingenommen werden, die intravenösen und subkutanen werden bei uns im Ambulatorium im Spital verabreicht. Eine intravenöse Therapie kann von zwei bis acht Stunden dauern, dies unterscheidet sich je nach Anzahl der kombinierten Substanzen oder ob eine Substanz z.B. wegen möglicher allergischer Reaktion besonders langsam infundiert werden muss.

Welche Aufgaben liegen in deinem Verantwortungsbereich als Gruppenleiterin Onkologie?

Aktuell sind wir vier Pflegefachfrauen und zwei Medizinische Praxisassistentinnen. Ich bin für die monatliche Dienst- und Ferienplanung verantwortlich und führe gemeinsam mit der Leitung des Medizinischen Ambulatoriums die Jahresgespräche.

Des Weiteren gehört es zu meinen Tätigkeiten als Gruppenleiterin Bedürfnisse, aber auch psychischen Belastungen der einzelnen Mitarbeiterinnen wahr- und ernst zu nehmen.

Neben der Führung plane ich gemeinsam mit den anderen Mitarbeiterinnen und dem Onkologen die Plätze für die verschiedenen Therapien, verabreiche medikamentöse Tumortherapien und führe Erstgespräche. Ich bin froh, dass meine Tätigkeit über das rein Organisatorische hinausgeht.

Krankenschwester stellt Infusion in Krankenhauszimmer ein.

Mir gefällt besonders die familiäre Atmosphäre im Spital Zollikerberg. Ich schätze es, wenn man sich untereinander grüsst und sich erkundigt, wie es der oder dem anderen geht. Besonders gefällt mir aber auch der persönliche und warmherzige Umgang auf der Onkologie. Ich kenne die Patient:innen durch unser Konzept der Bezugspflege sehr gut und begleite sie während ihres gesamten Krankheitsprozesses. Dies wird auch von unseren Patient:innen sehr geschätzt.

Wie gehst du mit den emotionalen Herausforderungen um, die mit der Betreuung von Krebspatient:innen einhergehen?

Wir haben eine unglaublich gute Teamkultur auf der Onkologie, bei der wir über emotional schwierige Situationen gut sprechen können. Auch der Austausch im interdisziplinärem Team mit Ernährungsberatung, Psychoonkologie und Seelsorge hilft, emotionale Herausforderungen zu verarbeiten. Zudem ist mir mein soziales Umfeld (Familie und Freunde) sehr wichtig und stets eine gute Stütze. Aber auch sportliche Aktivitäten wie Klettern, Wandern oder Joggen sind mir sehr wichtig und befreien mir den Kopf von emotionalen Herausforderungen. Besonders beim Klettern kann ich nicht mehr an den Arbeitsalltag denken, weil ich mich darauf konzentrieren muss, wie ich in der Kletterroute weiterkomme.

Welchen Rat würdest du angehenden Fachkräften geben, die in der Onkologie arbeiten möchten?

Ich finde es sehr wichtig, die richtige Work-Life-Balance zu finden und offen über Situationen sprechen zu können, die belastend sind. Für mich persönlich ist es hilfreich, direkt in die Betreuung der Patient:innen mit eingebunden zu sein und nicht «nur» Therapie zu verabreichen. Dadurch bin ich zwar stärker der emotionalen Belastung ausgesetzt, kann aber durch meine aktive Position damit besser umgehen und dies verarbeiten.

Was sind deine langfristigen Ziele?

Im Februar 2024 beginne ich ein CAS in Leadership Basic, um mein Fachwissen in Bezug auf die Mitarbeiterführung zu erweitern. Auf die neuen fachlichen Inputs und den interaktiven Austausch in der Kursgruppe freue ich mich sehr. Ich freue mich über die Entwicklung auf der Onkologie des Spital Zollikerberg und die Möglichkeit, künftige Veränderungen aktiv mitgestalten zu können.

Wie kann man Krebs-Betroffenen helfen?

Indem man für sie da ist und sie unterstützt. Oft ist es für Angehörige, Freund:innen oder Bekannte schwierig, wie man mit der betroffenen Person umgehen soll. In Gesprächen mit diversen Patient:innen habe ich bemerkt, dass geschätzt wird, wenn man nicht immer Fragen zur Erkrankung stellt, sondern auf andere Art und Weise versucht zu signalisieren, dass man für sie da ist. Es ist wichtig, nicht nur die Krebserkrankung zu sehen, sondern die ganzheitliche Person.  

In einem sehr spannenden Gespräch mit einer Patientin habe ich bemerkt, dass den Betroffenen oft externe Hilfe angeboten wird, z.B. für Haushaltsarbeiten, sie diese aber oft nicht annehmen, da sie sich dann extra zurechtmachen müssten, weil jemand «Fremdes» zu ihnen nach Hause kommt. Dieser Patientin wäre es leichter gefallen die Hilfe anzunehmen, wenn die Personen einfach zu ihr nach Hause gekommen wären und z.B. gesagt hätten: «Du kannst dich erholen, ich mache dir heute die Wäsche.». Vielleicht müssen wir als Angehörige, Freund:innen oder Bekannten uns trauen, die Hilfe nicht nur anzubieten, sondern das Angebot einfach direkt umzusetzen, damit wir für Betroffene eine Entlastung sein können.

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