Fieberkrampf beim Kind: Keine Panik! Der Notfallplan für Eltern
Dr. med. Vasiliki Vasilopoulou
27. Oktober 2026
5 min
Ein Fieberkrampf beim eigenen Kind ist für Eltern meistens ein grosser Schock. Wenn das Kind plötzlich das Bewusstsein verliert oder zuckt, bricht oft Panik aus. Was löst diesen Zustand aus und wie reagieren Sie im Ernstfall richtig? In diesem Ratgeber erfahren Sie die medizinischen Ursachen und erhalten konkrete Erste-Hilfe-Tipps. Zudem erklärt Dr. med. Vasiliki Vasilopoulou, Oberärztin der Kinder-Permanence am Spital Zollikerberg, wie Eltern besonnen handeln und wann der Notruf nötig ist.
Frau Dr. Vasilopoulou, was genau passiert im Körper des Kindes bei einem Fieberkrampf?
Ein Fieberkrampf ist ein kurzzeitiger Krampfanfall bei Säuglingen und Kleinkindern, der durch einen plötzlichen Anstieg der Körpertemperatur ausgelöst wird. Er äussert sich in der Regel durch plötzliche Körpersteifheit, Zuckungen sowie Bewusstlosigkeit und tritt am häufigsten bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 6 Jahren auf.
Das schnell ansteigende Fieber, das häufig durch eine gewöhnliche Viruserkrankung wie eine Erkältung, eine Grippe oder eine Ohrenentzündung verursacht wird, überreizt die elektrischen Signale des jungen, sich noch in der Entwicklung befindlichen Gehirns. Dabei kommt es zu einer plötzlichen, unkontrollierten und gleichzeitigen Entladung vieler Nervenzellen.
Was tun die Eltern am besten wenn das Kind einen Krampfanfall hat und was sollten sie strikt vermeiden?
Im Ernstfall gilt: Bewahren Sie Ruhe. Legen Sie Ihr Kind auf den Boden oder eine andere flache, weiche Unterlage, um Verletzungen zu vermeiden. Bringen Sie es anschliessend in die stabile Seitenlage, damit Speichel oder Erbrochenes problemlos abfliessen können und die Atemwege frei bleiben. Blicken Sie zudem auf die Uhr, um die Dauer des Anfalls genau abzuschätzen.
Solange der Fieberkrampf anhält, dürfen Sie Ihr Kind niemals allein lassen. Greifen Sie jedoch auf keinen Fall aktiv in das Geschehen ein: Stecken Sie dem Kind nichts in den Mund, versuchen Sie nicht, die Krämpfe gewaltsam zu unterdrücken, und schütten Sie kein kaltes Wasser über das Kind. Ein Fieberkrampf dauert in der Regel 2 bis 3 Minuten, höchstens jedoch 15 Minuten.
Wie können Eltern den Unterschied zwischen einem harmlosen Schüttelfrost und einem echten Fieberkrampf erkennen?
Während eines Fieberkrampfes ist das Kind bewusstlos oder nicht ansprechbar, beim Schüttelfrost hingegen ist es wach und bei Bewusstsein (auch wenn es erschöpft wirkt).
Wie hoch ist das Risiko, dass ein Fieberkrampf wiederholt passiert und sollte man einem erneuten Fieberkrampf durch frühzeitige Fiebersenkung vorbeugen?
Etwa 30 Prozent der betroffenen Kinder erleben einen zweiten Anfall, ca. 10 Prozent drei oder mehr. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt, wenn auch die Eltern oder Geschwister Fieberkrämpfe hatten.
Studien zeigen, dass fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen Fieberkrämpfe nicht verhindern können, da diese oft den ersten Temperaturanstieg ankündigen oder unbemerkt beginnen. Eine vorbeugende Dauerbehandlung mit Epilepsie-Medikamenten ist wegen der Nebenwirkungen ebenfalls nicht sinnvoll.
Hat ein Kind bereits einen komplizierten oder wiederholten Fieberkrampf gehabt, kann der Kinderarzt ein Notfallmedikament für künftige Anfälle verschreiben.
Wir sind an 365 Tagen für Sie da
Suchen Sie eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt?
Nach einem Fieberkrampf ist das Kind oft sehr müde und erschöpft. Auch wenn der Anfall vorbei ist und es dem Kind scheinbar wieder gut geht, sollten Eltern in jedem Fall ihre reguläre Kinderarztpraxis oder unsere Kinder-Permanence aufsuchen. Eine zeitnahe ärztliche Untersuchung ist unerlässlich, um andere schwerwiegende Ursachen für den Krampfanfall sicher auszuschliessen und das weitere Vorgehen zu besprechen. Melden Sie sich gerne bei uns.
Ein Fieberkrampf traumatisiert oft die Eltern, nicht das Kind. Welchen Rat geben Sie Müttern und Vätern?
Die Eltern sollten sich keine Vorwürfe machen und versuchen die Ruhe zu bewahren, wenn ihr Kind einen weiteren Anfall erleidet. Es ist sehr wichtig, dass die Eltern einen konkreten Notfallplan haben und ihn gut beherrschen. Das wird ihnen die Angst nehmen und ihnen Sicherheit sowie das Gefühl von Handlungsfähigkeit zurückgeben.
Auch wenn ein unkomplizierter Fieberkrampf dramatisch aussieht, ist er in der Regel harmlos und hinterlässt keine Schäden im Gehirn. Die Entwicklung und die Intelligenz des Kindes werden nicht beeinträchtigt. Es handelt sich dabei auch nicht um Epilepsie.
Wichtig für Eltern: Keine Panik und keine Vorwürfe
Ein unkomplizierter Fieberkrampf sieht dramatisch aus, ist aber medizinisch harmlos. Er hinterlässt keine Gehirnschäden, beeinträchtigt weder die Intelligenz noch die Entwicklung Ihres Kindes und ist keine Epilepsie.
Sicherheit durch den Notfallplan
Ein konkreter Notfallplan gibt Ihnen im Ernstfall die nötige Sicherheit und Handlungsfähigkeit zurück. Mit besonnenem Handeln, dem Blick auf die Uhr und einer anschliessenden ärztlichen Abklärung lässt sich die Situation sicher meistern.
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