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Gesundheitswelt

Nephrolithiasis: Alles Wichtige zu Nierensteinen im Überblick

Dr. med. Robert Schorn

Dr. med. Robert Schorn

10. April 2026

lesezeit

10 min

Nierensteine sind ein verbreitetes Gesundheitsproblem, von dem im Laufe des Lebens bis zu 10 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Wandern Nierensteine in den Harnleiter, können sie starke kolikartige Schmerzen auslösen. Erfolgt kein spontaner Abgang über die Blase, kann eine Behandlung durch einen Urologen erforderlich werden.

Die Entstehung von Nierensteinen wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. Neben Ernährungsgewohnheiten und einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr können bei manchen Betroffenen auch Stoffwechselstörungen die Ursache sein. Treten Nierensteine wiederholt oder bereits in jungen Jahren auf, ist in der Regel eine weiterführende Abklärung durch einen Nephrologen in einer spezialisierten Sprechstunde sinnvoll. So können mögliche Stoffwechselstörungen erkannt und gezielt behandelt werden, um das Risiko für erneute Steinbildungen zu verringern.

Was sind Nierensteine?

Nierensteine sind harte, kristalline Ablagerungen, die sich in den Nieren bilden. Sie entstehen, wenn sich bestimmte Substanzen, wie Kalzium, Oxalat oder Harnsäure, im Urin in zu hohen Konzentrationen befinden und miteinander reagieren, um feste Kristalle zu bilden. Diese Kristalle können sich zu Steinen entwickeln, die unterschiedlich gross sein können, von sehr klein (kaum sichtbar) bis hin zu sehr gross, was schmerzhaft sein kann.

Welchen Zusammenhang hat Nierstein mit einer Nierenkolik?

Eine Nierenkolik ist ein plötzlicher, starker Schmerz, der in der Regel durch die Bewegung eines Nierensteins im Harnsystem ausgelöst wird. Die Schmerzen treten auf, wenn ein Stein entweder in der Niere selbst oder im Harnleiter (die Röhre, welche die Niere mit der Blase verbindet) stecken bleibt oder blockiert. Diese Blockade hindert den Urin daran, normal abzufliessen, was zu starken Krämpfen und Schmerzen führt.

Warum entstehen Nierensteine?

Die Entstehung von Nierensteinen ist multifaktoriell. Häufige Ursachen sind:

  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr
  • ungünstige Ernährungsgewohnheiten
  • genetische Veranlagung
  • Stoffwechselstörungen
  • bestimmte Medikamente oder Erkrankungen
  • Übergewicht und Bewegungsmangel

Vorbeugung von Nierensteinen

Die Vorbeugung von Nierensteinen konzentriert sich vor allem auf die Vermeidung von Faktoren, die die Entstehung von Steinen begünstigen. Es geht darum, das Risiko zu verringern, dass sich Kristalle im Urin bilden, die sich dann zu Steinen entwickeln können. Hier sind einige wichtige Massnahmen, um Nierensteinen vorzubeugen:

1. Ausreichend Wasser trinken

Flüssigkeitsaufnahme ist der wichtigste Faktor zur Vorbeugung von Nierensteinen. Der Urin sollte möglichst verdünnt bleiben, damit sich keine Kristalle bilden können. Ziel ist es, mindestens 2-3 Liter Wasser pro Tag zu trinken, abhängig von Körpergrösse, Aktivitätslevel und klimatischen Bedingungen. Bei heissem Wetter oder intensiver körperlicher Aktivität sollte man entsprechend mehr trinken. Der Urin sollte hellgelb bis farblos sein. Wenn er dunkelgelb oder bernsteinfarben ist, kann das ein Zeichen für Dehydration sein und damit das Risiko für Nierensteine erhöhen.


2. Ausgewogene Ernährung

Wenig Salz: Ein hoher Salzverbrauch erhöht die Kalziumausscheidung im Urin, was die Bildung von Kalziumsteinen begünstigen kann. Die Reduktion stark salzhaltiger Nahrungsmittel wie Fertiggerichte, Fast Food und stark gesalzene Snacks ist sinnvoll.
Wenig Zucker und Fructose: Zuckerreiche Lebensmittel und Getränke (z. B. Limonade, Süssigkeiten) sowie Fructose können das Risiko für Nierensteine erhöhen.
Moderater Eiweisskonsum: Eine zu hohe Eiweissaufnahme, vor allem aus tierischen Quellen (Fleisch, Fisch), kann das Steinrisiko erhöhen. Ein ausgewogenes Verhältnis von pflanzlichem und tierischem Eiweiss ist ratsam.
Oxalatreiche Lebensmittel in Massen: Der Verzehr von oxalatreichen Lebensmitteln wie Spinat, Rhabarber, Nüssen, Schokolade und Tee sollte mit Augenmass erfolgen. Oxalat kann sich mit Kalzium verbinden und in der Niere zur Bildung von Steinen führen. Nimmt man zum Eisen aber calciumhaltige Nahrungsmittel/ Getränke wird das Oxalat im Magen-Darm-Trakt gebunden, nicht aufgenommen und somit ist die Oxalatausscheidung im Urin reduziert.

3. Regelmässige Bewegung

Ein aktiver Lebensstil hilft nicht nur, das Körpergewicht zu kontrollieren, sondern fördert auch eine gesunde Nierenfunktion und die Urinproduktion. Regelmässige Bewegung verhindert auch Übergewicht und Fettleibigkeit, die das Risiko für Nierensteine erhöhen können.

4. Gewichtskontrolle

Übergewicht und Fettleibigkeit sind Risikofaktoren für Nierensteine, da sie den Stoffwechsel und die Urinproduktion negativ beeinflussen können. Eine ausgewogene Ernährung und regelmässige Bewegung sind wichtig, um ein gesundes Körpergewicht zu halten.

5. Vermeidung von zu viel Vitamin C und Kalziumpräparaten

Hohe Dosen von Vitamin C können die Bildung von Oxalatsteinen begünstigen. Hohe Mengen an Vitamin C (mehr als 1000 mg pro Tag), sollten vermieden werden. Kalziumpräparate sollten in Massen verwendet werden und nicht mehr als die empfohlene Tagesdosis überschreiten, da eine zu hohe Kalziumaufnahme das Risiko für Nierensteine erhöhen kann. Ein kompletter Verzicht auf Calcium ist aber nicht empfohlen, da es das Risiko einer Osteoporose birgt. Entsprechendes gilt auch für eine Vitamin D Zufuhr. 

6. Medikamentöse Prävention

Hier stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, die individuell evaluiert werden müssen. Auf jeden Fall sollte dies nur unter ärztlicher Aufsicht geschehen.

Fazit

Nierensteine sind häufig, aber in vielen Fällen gut vermeidbar. Eine gezielte Abklärung in der spezialisierten Stein-Sprechstunde ermöglicht es, individuelle Risikofaktoren zu erkennen und langfristig wirksame Massnahmen zur Vorbeugung zu entwickeln.

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Dr. med. Robert Schorn

Chefarzt, Nephrologie und Dialysezentrum, Spitalleitung

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